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Fortsetzung Teil 5

Bevor ich nun mit dem fünften Teil meines Erfahrungsberichtes fortfahre, möchte ich euch im Nachhinein zu Teil 4 mitteilen, dass sich die Hochwasserlage, obwohl inzwischen einige Zeit verstrichen ist, dramatisch zugespitzt hat. Dies bekommen wir nun selber zu spüren. Es wurden inzwischen zwanzig Provinzen als Katastrophengebiete ausgerufen. Das Hochwasser ist heute nochmals gestiegen. Bei unserem Bungalow sind es inzwischen vier Meter über Normal. Ich hätte nie gedacht, dass es so hoch ansteigen könnte. Wir leben jetzt wie auf einer Insel. In einigen Bereichen der Stadt Sukhothai steht alles still. Nur noch wenige Fahrzeuge, wie z. B. höhere Pickups, Busse oder Lkws, können überhaupt noch fahren. Es gibt zwar Einige die es trotzdem mit ihrem Auto versuchen, aber dann im Wasser stecken bleiben. Wir haben nun den fünften Tag in Folge, in der das Hochwasser stetig steigt.

Da nun einige Zeit ins Land gegangen ist, fing ich an, mich um die Visaangelegenheit zu kümmern. Spätestens nach 90 Tagen muss man sein Jahresvisum beantragen. Voraussetzung ist, dass man vorher bereits in Deutschland, bei der thailändischen Botschaft ein Non-Immigrant–O Visa beantragt hatte. Die Gebühr dafür beträgt 130 €. Bei der Einreise ist unbedingt darauf zu achten, dass man tatsächlich einen Stempel im Pass hat, der auch wirklich auf 90 Tage ausgestellt ist. Da es mehrere Arten des Jahresvisums gibt, beschränke ich mich auf meinen Fall, dem Visum für Rentner. Aus Deutschland habe ich meinen Rentenbescheid im Original sowie eine thailändische Übersetzung, mitgebracht. Natürlich hatte ich zusätzlich auch alle Dokumente auch auf meinem Notebook gespeichert. Als Erstes brauchte ich von einem deutschen Konsulat bzw. Botschaft in Thailand eine Bescheinigung über meine Renteneinkünfte. Der Betrag muss über 65000 Baht/Monat liegen. Das für mich nächstliegende Konsulat war in Chiang Mai. Also habe ich im „Thai-Ticker“ die neueste E-Mailadresse des Konsulats nachgelesen. Vorab habe ich Herrn Honorarkonsul Hagen E.W. Dirksen per Email gebeten, zu prüfen ob er mir, mit den als Anlagen beigefügten Dokumenten, das erforderliche Dokument für die Immigration ausstellen könne. Als Anlagen hatte ich die Rentenbescheide und die Kopien meines Reisepasses beigefügt und auch noch meine Handynummer mitgeteilt. Nachdem zwei Wochen vergangen waren und ich keine Antwort erhalten hatte, sendete ich die gleiche E-Mail noch einmal. Da ich auch diesmal keine Antwort erhielt, setze ich schließlich zum dritten Mal meine Email ab. Und tatsächlich, diesmal meldete sich eine Mitarbeiterin des Konsuls telefonisch bei mir. Die erste gute Nachricht war, daß ich alle notwendigen Dokumente hätte und somit das gewünschte Dokument ausgestellt werden könne. Ich müsse dazu allerdings, zumindestens beim ersten Mal, persönlich beim Konsulat erscheinen. Die Gebühr würde 1100 Baht betragen. Wir vereinbarten einen Termin. Zwei Tage später erhielt ich sogar noch eine Antwort per E-Mail vom Honorarkonsul persönlich. Einige Tage nach dem Telefonat schaute ich dann auf einen Thai-Kalender. Dabei fiel mir auf, dass es in der Woche des vereinbarten Termins, vier buddhistische Feiertage gab (von Donnerstag bis Dienstag). In diesem Zeitraum wären dann die Banken und Behörden geschlossen. Dementsprechend ist vor und nach einem solchen Feiertag mit einem erhöhten Andrang zu rechnen. Aus diesem Grund zog ich den Termin um eine Woche vor. Um zu vermeiden in der Nacht von von Sukhothai nach Chiang Mai fahren zu müssen, fuhren wir bereits am Vortag des Termins und stiegen in einem von uns seit vielen Jahren bekanntem Hotel in Chiang Mai ab. So konnten wir uns die Stadt, die wir seit sechs Jahren nicht mehr besucht hatten, näher anschauen. Es hatte sich sehr vieles verändert. Neue Straßen, Unterführungen und Häuser. Vieles haben wir gar nicht mehr gefunden, da inzwischen etwas Neues an diesen Stellen gebaut worden ist.

Am Abend besuchten wir einen Farang, der uns den Weg vom Hotel zum Konsulat beschrieb. Er bat mich, am nächsten Tag beim Konsulat Grüße von ihm auszurichten. Aus mehreren Gründen nenne ich hier keine Namen von Farangs. Ich bitte dafür um Verständnis. Wir blieben nicht sehr lange, da wir am nächsten Tag sehr früh beim Konsulat sein wollten, dass um 9.00 Uhr seine Pforten öffnen sollte. Am nächsten Morgen sind wir dann ohne zu frühstücken zum Konsulat gefahren. Dank der Beschreibung des Farangs fanden wir es ohne Schwierigkeiten. Das Konsulat befindet sich nicht im ersten Obergeschoss, sondern unten links am Gebäude vorbei, in einem unscheinbaren Büro. Wir waren die ersten Besucher. Eine Mitarbeiterin fragte uns nach unserem Anliegen. Wir nannten unseren Namen und gaben an, dass wir einen Termin hätten. Wir wurden gebeten Platz zu nehmen. Zwischenzeitlich kam eine nette ältere Mitarbeiterin des Konsulats, um uns noch Fragen zu stellen. Von einem Farang, der oft mit dem Konsulat zu tun hat, richtete ich bei dieser Gelegenheit, viele schöne Grüße aus. Das Gesicht der Mitarbeiterin fing an zu strahlen und es entstand eine sehr nette Unterhaltung. Dieser Umstand hat sich sicherlich positiv auf die Bearbeitung meines Anliegens ausgewirkt. Auf dem Konsulat hatte ich auch Gelegenheit den Honorarkonsul persönlich kennenzulernen. Er ist ein sehr umgänglicher Mensch, der klar formulierte Fragen, ausführlich beantwortet. Auf meine Frage zu den Formalitäten zum Erlangen eines Thaiführerscheins gab er mir genaue Auskunft. Da ich einen internationalen Führerschein besitze, muss ich spätestens nach sechs Monaten einen Thai-Führerschein beantragen. Die Frage des Konsuls, ob ich meinen deutschen Führerschein dabei hätte, musste ich leider verneinen, da ich ihn im Hotel gelassen hatte. Mitgenommen hatte ich nur eine Kopie meines internationalen Führerscheins. Er erklärte mir, dass er mir ein Dokument ausstellen könne, mit dem ich dann wiederum einen Thaiführerschein beantragen könnte. Diesem Angebot wollte ich am nächsten Tag nachkommen. In der Zwischenzeit hatte die Mitarbeiterin das Dokument für die Immigration ausgestellt. Der Konsul unterschrieb es und ich bezahlte dafür eine Gebühren in Höhe von 1100 Baht. Freundlicherweise wurde mir auch noch eine Kopie des Dokuments erstellt. Nach gut dreizig Minuten konnten wir das Konsulat verlassen. Da wir hungrig waren, gingen wir erst einmal etwas essen. Danach verabredeten wir uns noch einmal telefonisch mit dem Farang von gestern. Freudestrahlend berichtete ich ihm, dass ich jetzt das Dokument für die Immigration, für das Jahresvisum hätte. Ich erzählte ihm vom Thaiführerschein. Er lachte und meinte, dass dies in zwei Stunden zu erledigen wäre. Ich ging darauf ein und sagte ihm, dass ich ihn morgen beim Wort nehmen würde. Wir unterhielten uns über dies und das und verabredeten uns dann für den nächsten Tag. Sobald ich das Dokument vom Konsulat erhalten würde, würden wir uns telefonisch bei ihm melden. Wir verabschiedeten uns und sahen uns die Stadt noch ein wenig an. Da wir am nächsten Morgen wieder früh aufstehen mussten, gingen wir rechtzeitig schlafen. Am nächsten Morgen sind wir wieder ohne zu frühstücken zum Konsulat gefahren. Diesmal war es einfach, da ich den Standort im Navigationsgerät abgespeichert hatte. Wir waren wieder fast die Ersten und wurden auch umgehend aufgerufen. Ich trug mein Anliegen vor und übergab meinen Reisepass, das Hausbuch und den deutschen Führerschein. Der Konsul fragte mich, welche Klassen meines Führerscheins ich bescheinigt haben wolle. Ich sagte ihm alle die ich auch in Deutschland habe. Er riet mir davon ab, da man z.B. für den LKW-Führerschein einen besonderen Test machen müsse, der nicht einfach sei. Nach sehr kurzer Überlegungszeit reduzierte ich meine Ansprüche dann auf jeweils einen Führerschein für Motorrad sowie für PKW. Er übergab den Auftrag einer Mitarbeiterin und bat uns Platz zu nehmen. Zwischenzeitlich kam ein Farang mit einer jungen Thailänderin. Der Farang wollte ein Visum für die junge Thailänderin beantragen. Leider gab es keine Rückzugsmöglichkeit und somit musste man das Gespräch, ob man wollte oder nicht, mit anhören. Der Farang erläuterte, dass er dreiundsiebzig Jahre alt, Schriftsteller und schwer zuckerkrank sei. Er müsse in Kürze nach Deutschland und bräuchte dringend wegen seiner Erkrankung eine medizinische Betreuung während des Fluges. Sein Freund, der dies bisher getan hatte, sei erkrankt und könne dies daher nicht übernehmen. Wenn man halbwegs bewandert ist mit den Visumbestimmungen für die Einreise nach Deutschland, weiß man, was der Honorarkonsul diesem Farang alles erzählen musste. Glücklicherweise blieb uns das weitere Gespräch erspart, da mein Dokument für den thailändischen Führerschein fertig war und wir nur noch die Gebühr entrichten mussten. Nach fast 45 Minuten konnten wir das Konsulat verlassen und gingen wiederum erst mal was essen. Danach haben wir den Farang angerufen und scherzhaft darauf hingewiesen, dass somit die zweistündige Frist zum Erlangen des Thaiführerscheins anlaufen würde. Wir trafen uns bei ihm zu Hause. Wir stellten alle benötigen Dokumente (Pass, Hausbuch), in Kopieform, zusammen. Dann fuhren wir zusammen mit seiner Frau, in seinem Pickup, zur Führerscheinstelle. Für die Farangs gab es im ersten Obergeschoss einen separaten Annahmeschalter. Die Mitarbeiterin nahm die Dokumente entgegen, überprüfte diese und fragte nach einem Gesundheitszeugnis. Dieses hatte ich nicht, da ich irrtümlich annahm, dass dieses nicht mehr benötigt würde. Das Gesundheitszeugnis wird nach einem Jahr, wenn man den Thaiführerschein neu für 5 Jahre beantragen muss, schließlich auch nicht mehr benötigt. Der Farang meinte, dies sei kein Problem. Mit der Hilfe seiner Hausärztin wäre dies schnell erledigt. Also rein ins Auto und keine 5 Minuten später waren wir in der Praxis. Wir wurden so überschwänglich begrüßt, als ob wir schon Stammpatienten wären. Die Frau des Farangs erklärte auf Thai, was ich benötigte. Die Sprechstundenhilfe forderte meinen Pass und füllte das Formular aus. Zwischenzeitlich kam die zweite Sprechstundenhilfe und maß meinen Blutdruck. Als dies erledigt war, schob man uns in das Arztzimmer, wo bereits die Ärztin wartete. Sie überflog das ausgefüllte Formular und fragte auf Thai, ob ich gesund sei, bzw. welche Krankheiten oder Operationen ich gehabt hätte. Die Frau des Farangs übersetzte, und ich antwortete dass ich gesund sei und auch keine weiteren Krankheiten oder Operationen gehabt hätte. Die Ärztin trug dies dann so in das Formular ein und unterschrieb dieses. Ich musste noch eine Gebühr bezahlen und wir konnten die Praxis wieder verlassen. Das Ganze dauerte mit allem Drum und Dran keine fünfzehn Minuten. Wir fuhren danach wieder zur Führerscheinstelle zurück und gaben das Gesundheitszeugnis, nachdem wir eine Kopie angefertigt hatten, am Schalter für Farangs ab. Wir bekamen eine laufende Nummer, die dann auch nach kurzer Zeit aufgerufen wurde. Wir mussten ein paar Schalter weiter gehen, wo der Seh- und der Reaktionstest durchgeführt werden sollte. Die Frau des Farangs sollte als Dolmetscherin fungieren. Der Sachbearbeiter war damit nicht einverstanden. Er war der Auffassung, dass ich Englisch sprechen würde. In meinem schlechten Englisch sagte ich, dass ich nur Deutsch sprechen würde. Darauf hin schrieb die Frau des Farangs ihm die 3 Worte,“gelb" "rot" und "grün" in Deutsch und Thai auf einen Zettel auf. Nun durfte ich zu dem Sehtest antreten, wobei ich vor dem Start meine Fernbrille aufsetzte. Der Sachbearbeiter zeigte mit dem Finger auf verschiedene Punkte mit den drei Farben. Zügig nannte ich die Farben auf den jeweiligen Punkten. Der Sachbearbeiter war nach etwa zwei Minuten zufrieden. Jetzt kam der Reaktionstest dran, der unmittelbar daneben stattfand. Dafür gab es einen Sitz mit zwei Pedalen. Rechts war das Gas- und links das Bremspedal angeordnet.In ungefähr drei Metern Entfernung war eine Vorrichtung angebracht, auf der rechts jeweils eine Lampe in rot und grün angeordnet war. Auf der linken Seite war eine Scala mit einem großen Querstrich, ungefähr in der Mitte. Die Aufgabe bestand darin, das Gaspedal zu drücken und beim Erleuchten der roten Lampe sofort auf das Bremspedal zu treten. Die sich daraus ergebene Reaktionszeit wurde in der linken Skala angezeigt. Wenn man unterhalb des Querstriches blieb, galt der Reaktionstest als bestanden. Insgesamt musste ich zweimal diesen Test durchführen. Hierbei half mir der Tipp vom Farang, sich ganz auf die rechte Seite, also die Lampen zu konzentrieren. Als ich den Reaktionstest erfolgreich absolviert hatte, musste ich kurz warten und wurde dann zur eigentlichen Ausstellung der Führerscheine (PKW und Motorrad) an einen anderen Schalter gebeten. Hier wurden noch einmal alle Dokumente überprüft und jeweils ein kostenpflichtiges Passfoto für die Führerscheine von mir gemacht. In Thailand muss man erst bezahlen, wenn man alle Tests bestanden hat und somit auch einen Führerschein ausgestellt bekommt. Kurze Zeit nach der Bezahlung der Gebühren bekam ich meine zwei Thaiführerscheine für PKW und Motorrad mit einer Gültigkeitsdauer von einem Jahr ausgehändigt. Dabei spielte es überhaupt keine Rolle, dass ich laut meines deutschen Führerscheins nur Motorräder bis 125 cm³ fahren darf. In Thailand gibt es solche Unterscheidungen nicht. Alles in allem blieben wir unter den vom Farang angekündigten zwei Stunden Bearbeitungszeit. Der Leser wird sich vielleicht wundern, dass in diesem Abschnitt meine Frau nicht vorkommt. Dies ist ganz einfach. Sie hat es nicht gelernt, innerhalb eines kurzen Zeitraumes konzentriert mehrere Dinge hintereinander abzuwickeln. Spätestens nachdem feststand, dass mein Gesundheitszeugnis fehlt, wäre sie ins Schwimmen gekommen, da Sie nicht wusste, was das ist und wo es zu bekommen wäre. Der Farang mit seiner Frau haben diesen Prozess bereits hinter sich gebracht und waren aufs Beste informiert. Als Dank für seine Hilfe luden wir den Farang mit seiner Frau zum Essen ein. Bei diesem Essen kam spontan die Einladung des Farangs zum Geburtstag seiner Frau in zwei Tagen. Wir sagten zu und wir verabredeten Ort und Uhrzeit. Wir wollten zwar eigentlich am nächsten Tag wieder nach Sukhothai zurückfahren, aber wir hingen gerne auch noch drei Tage in Chiang Mai an. In dieser Zeit konnten wir die Stadt und Umgebung noch etwas besser kennenlernen. In Sukhothai lief uns ja nichts davon. Zur Geburtstagsfeier besorgten wir eine Geburtstagskarte und fügten einen Geldbetrag hinzu. Die Feier begann gegen Mittag. Es gab Leberkäse mit Spiegelei. Da ich schon längere Zeit nur Thaiessen zu mir nahm, war ich froh wieder einmal etwas Heimisches in den Magen zu bekommen. Da das Essen reichlich war, verzichteten wir am Nachmittag auf den Kuchen. Am Abend wurden wir dann in ein Art Dschungelrestaurant zum Abendessen eingeladen. Das Restaurant war sehr schön, mit einem Wasserfall und vielen hohen Bäumen, also wie ein Dschungel, eingerichtet. Da es noch früh am Abend war, waren noch nicht so viele Gäste anwesend. Das Essen war sehr lecker. Am Ende bekam das Geburtstagkind eine Geburtstagstorte mit einem Geburtstagslied gratis spendiert. Bevor der eigentliche Besucheransturm begann, sind wir dann, nachdem wir uns bedankt hatten, zurück ins Hotel gefahren. Es waren sehr schöne Tage in Chiang Mai. Ich wurde stolzer Besitzer von zwei Thaiführerscheinen und hatte das Dokument vom Konsulat zum Ausstellen eines Jahresvisums bei der Immigration im Gepäck.

Wir fuhren gut gelaunt am nächsten Tag zurück nach Sukhothai. Hier angekommen erwartete uns wieder das Regenwetter. Mal gab es Starkregen, mal einfach nur normaler Regen. An guten Tagen kam sogar die Sonne durch und es wurde sehr warm. Die Hochwasserlage hatte sich inzwischen nicht entspannt. An einem der sonnigen Tage fuhren wir zu unserer Schwägerin. Meine Frau quatschte dann mit ihrer Schwester über dieses und jenes. Verstanden habe ich davon sowieso nichts. Nur manchmal ,wenn ein bekanntes Wort auftauchte, meinte ich etwas zu verstehen. Ich nutzte diese Zeit, um zu unserem Grundstück zu gehen und um nachzusehen, ob mit dem Container alles in Ordnung war. Diesmal nahm ich meinen Fotoapparat mit, denn ich wollte auch mal die spätere Nachbarschaft genauer unter die Lupe nehmen. Aus den Erzählungen wusste ich nur, dass einige Onkels und Tanten meiner Frau in diesem Dorf wohnen sollten. Natürlich auch mit ihren Kindern. Das Dorf, in dem unser Grundstück liegt, hat zwei Parallelstraßen. Wobei auf der einen Seite die Schnellstraße Nummer 101 liegt und auf der anderen Seite beide Straßen mit einer Brücke verbunden sind. Dahinter sind nur noch Reisfelder. Auf der Parallelstraße, an der unser Grundstück liegt, gibt es auf halbem Weg noch eine Querstraße. Die Straße zu unserem Grundstück geht gegenüber dem Haus meiner Schwägerin ab. Es geht ein kurzes Stück abwärts, wobei linker Hand das erste Haus steht. Die Bewohner sind schon älter und arbeiten nicht mehr. Früher hatten sie direkt an der Schnellstraße einen Verkaufstand. Beim Vorbeigehen an diesem Haus muss man darauf achten nicht zu nahe ans Haus zu kommen, da sonst der Hund knurrend angerannt kommt. Es ist sowieso empfehlenswert immer einen Stock für derartige Fälle dabeizuhaben. Gut dreizig Meter weiter ist wiederum auf der linken Seite ein Haus, in der eine alte Oma wohnt, die im Regelfall „oben ohne“ herumläuft. Dies ist kein besonders schöner Anblick. Daneben ist ein größerer Holzschuppen, in dem Tabak verarbeitet wird. Hier habe ich aber in all den Jahren nicht ein einziges Mal Aktivitäten erlebt. Nach diesem Holzschuppen befindet sich auf der linken Seite unser Grundstück. Auf der rechten Seite steht ein Holzhaus mit einer Großfamilie. Vom alten Opa, über die Tochter, den Enkelkindern und Urenkeln ist alles vertreten. Die Tochter soll beim Bürgermeisteramt arbeiten. Unter diesem Haus laufen die Hühner frei herum und gehen schon mal auf die andere Seite, auf unser Grundstück um Nahrung zu suchen. Die beiden Hunde haben unser Grundstück inzwischen als Toilette auserkoren. Abends spielen die Kinder auf unserem Grundstück.
Daneben ist ein altes Holzhaus mit verrostetem Wellblechdach. Hier wohnt ein Onkel meiner Frau, mit Frau und Kindern sowie Enkelkindern. Der Onkel fährt den ganzen Tag mit seinem am Motorrad angebautem Verkaufswagen und verkauft Gebratenes. Überwiegend kleine Würste. Auch Getränke und Reis hat er in seinem Verkaufswagen. Die Portionen, die er verkauft, liegen alle um ca. zwanzig Baht. Das Tageseinkommen wird vermutlich sehr niedrig sein. Die Waren zum Verkauf müssen immerhin selbst zuerst einmal eingekauft werden. Und das Benzin fürs Moped zehrt auch noch am Gewinn. Meiner Schätzung nach dürfte sich das Tageseinkommen um ca. 100-120 Baht/Tag belaufen, was umgerechnet allenfalls 3 €/Tag wären.

Auf der linken Seite hinter unserem Grundstück schließt sich wieder ein Holzschuppen an, der teilweise als Tabakschuppen und teilweise als Wohnung dient. Hier wohnt ein altes Ehepaar mit seinem Enkelkind. Das Abwasser lässt man direkt unters Haus ablaufen. Eine Kanalisation gibt es nicht. Wie die Toiletteninstallation aussieht, habe ich nicht herausgefunden. Bei Hitze ist der davon ausgehende Duft oder besser gesagt Gestank, weniger angenehm. In diesem Dorf, gibt es wie in so vielen anderen Dörfern Thailands keine Kanalisation. Abwässer werden entweder in einem Bach eingeleitet oder einfach unter die Stelzenhäuser. In den wenigsten Fällen gibt es eine Sickergrube. Die Toilettenabwässer werden im Regelfall in Sickergruben eingeleitet. Man sieht in regelmäßigen Abständen auf den Straßen Grubenfahrzeuge, die dann bei Bedarf die Sickergruben leeren.

Die nächsten drei Häuser auf der linken Seite gehören wiederum einem anderen Onkel meiner Frau. Diese sind auf einem großen Grundstück in die Tiefe versetzt gebaut. Von der Straße aus sieht man nur ein Haus und einen Teil des nächsten Hauses. Das dritte Haus sieht man von dort überhaupt nicht. Hier wohnt der Onkel mit seiner Frau. In den beiden anderen Häusern wohnen seine Kinder mit den Frauen und Kindern. Der Onkel und seine Frau sind beide Rentner und müssen, wie es in Thailand üblich ist von den Kindern mit versorgt werden. Rentenbezüge, wie wir sie kennen, gibt es nur für Staatsbedienstete.
Auf der gegenüberliegenden Seite ist wieder ein typischen Thai-Holzhaus. Über die Bewohner kann ich nichts berichten. Auf der linken Seite hinter dem Haus des Onkels ist ein Tante-Emma-Laden für dieses Dorf. Die wenigsten Bewohner des Dorfes lesen eine Zeitung. Aber in diesem Tante-Emma-Laden gibt es allen Tratsch des Dorfes völlig kostenlos, beim Einkaufen dazu. Hier kehre ich meistens ein und trinke meine Cola für zehn Baht. Nach wenigen Minuten kommen meistens schon einige Dorfbewohner und tun so, als ob sie etwas einkaufen wollten. Sie unterhalten sich mit der Besitzerin. Man hört bei diesen Unterhaltungen das Wort „Farang“ und „Baan“. Ich weiß dann, über wen und was sie gerade sprechen. Hier habe ich nach Jahrzehnten wieder, also aus der Zeit meiner Kindheit erlebt, dass Zigaretten im Dreier-Pack, in einer kleinen Plastiktüte verkauft werden. Wenn die Besitzerin, die auch schon im reiferen Alter ist, Zeit hat, stellt sie diese Dreier-Packs zusammen. Bei diesem Tante-Emma-Laden geht auch die eingangs erwähnte Querstraße ab.
Und auch hier überall das gleiche Bild. Es stehen typische Thaiholzhäuser rechts und links an der Straße. Weiter die Straße am Tante-Emma-Laden vorbei, sind noch drei Häuser, bis die Reisfelder beginnen und die Brücke zur Parallelstraße über einen kleinen Bach führt. Direkt an der Brücke auf der rechten Seite steht als letztes ein Haus, welches wiederum einem Onkel meiner Frau gehört. Dieses Haus wird gerade restauriert und renoviert. Es wurden Klimaanlagen eingebaut, sowie eine Überdachung für den Pickup neu gebaut. Die Mauer rund ums Grundstück wurde teilweise neu gezogen und zusammen mit der alten Mauer neu gestrichen.

Auf der Parallelstraße ist das gleiche Bild, wie zuvor beschrieben. Überwiegend stehen dort typische Thaiholzhäuser. Hier nur rechts an der Straße, die allerdings unbefestigt ist, gebaut. Links ist ein Bachlauf. Dort befindet sich das einzige neuere Steinhaus des Dorfes. Um nicht bis zur Brücke zu laufen zu müssen, um auf die andere Straße zu kommen, haben sich die Bewohner kleine Stege gebaut. Wenn ein Steg kaputt ist, wird von der Dorfjugend einfach ein Baum gefällt und ein neuer Steg gebaut. Vollkommen formlos und ohne Statik und Baugenehmigung. Bei Hitze ist jeder Umweg den man laufen muss, wirklich sehr unangenehm. In beiden Straßen befinden sich, wenn es hochkommt, vielleicht etwas über 20 Häuser.

Als Fazit kann ich nun nüchtern zusammenfassen, dass es sich um ein armes Dorf mit einer überwiegend älteren Bevölkerung handelt. Ich stelle mir nun die Frage, ob dieses Dorf das Richtige für unseren Hausbau und für meinen Lebensabend ist.

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Viele Grüße
Wolfgang und Kaek aus Sukhothai / Berlin
E-Mail: thaikunst@yahoo.de
Homepage: http://thaikunst.de.to/

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